Der Duft seiner Haut ist Meilen entfernt

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Meine Haut riecht unabkömmlich nach Chlor. Ich habe diesen komischen Druck im Ohr, von Wasser. Meine Augen brennen, weil ich sie zu lange unter Wasser aufhatte. Ich bin untergetaucht, in diesem Pool, der schon von weiten nach viel zu vielen Chlortabletten gerochen hat. Meine Augen habe ich aufgerissen und versucht, die Luft anzuhalten. Ich wollte dieses Gefühl spüren, dieses Gefühl, wenn einem ernsthaft die Luft weg bleibt. Wenn man es spürt, wie die Lunge sich zusammen zieht und versucht zu arbeiten. Da aber gar nichts mehr ist, wofür es sich lohnt zu arbeiten, zu atmen. Ich habe es versucht. Und bin irgendwann - nach Luft ringend - aufgetaucht. Völlig erschöpft. Ein paar Mal wollte ich es an mir selber spüren, nur um zu sehen, wie es sich wirklich anfühlt. Ob es einen Unterschied gibt, einen Unterschied zu meinem Atemproblem, welches ich sonst immer habe, wenn ich nach Luft ringe. So anders hat es sich gar nicht angefühlt. Ich bilde es mir also nicht ein, dass mir bei jeder Erinnerung der Atem stockt und ich völlig erschöpft aus meinen Erinnerungen aufwache. 
Wenn ich wieder zur Wasseroberfläche aufauchte, hatte sich das Szenario um mich herum nicht geändert. Sie stand da, mit ihrem Freund. Eng umschlungen. Küssend. Er das Bier in der Hand. Sie ihren Sekt. Ein wirklich schönes Paar. Nur eben nicht für meine brennenden Augen, für meine kaputte Lunge. Mein leeres Glas stand alleine am Beckenrand, ich habe gewartet, dass er aus der Terrassentür ruft, ob ich noch einen Schluck haben möchte. In Gedanken rief ich zurück, dass er doch bitte wieder ins Wasser kommen soll, damit auch ich, eng umschlungen mit ihm mein Sektglas in der Hand halten kann. Damit meine Arme, einen Weg um seinen Hals finden. Und ich ihm dabei, die Wassertropfen von der Stirn küssen kann... So wie sonst auch im Sommer. 
Nun liege ich also hier, meine Haut riecht nach Chlor und das ist schon wieder so ein Duft, der mich erinnern lässt, schmerzhaft erinnern lässt. Du hast deine Lippen auf meinen Bauch gedrückt, sie geschmeidig auf meinem Körper entlang gleiten lassen und gemeint, dass das Chlor auf meiner Haut gar nicht salzig schmeckt. An diesem Abend, bist du verweilend auf meinem Bauch eingeschlafen. Ich vermisse diesen Druck auf meiner Bauchdecke. Vermisse deine Lippen. Ich vermisse deine Stimme, die diesen Satz zu mir sagte. Und ich werde den Chlorgeruch von deiner Haut ebenso vermissen, denn diese Sommernacht wirst du wieder einmal nicht neben mir liegen.


6 liebe Kommentare ♥

» Yasemin | 11. Juli 2010 um 22:42

verdammt ist dieser text traurig.

aber er gefällt mir ungemein.

» Franzi (: | 12. Juli 2010 um 08:23

du kennst meine Meinung gegenüber deinen Texten & auch dieser hat mich wirklich sehr berührt ._. ♥ sehr traurig aber schön.

» Jessa | 12. Juli 2010 um 15:39

Ogott. jedesmal wenn ich deine Texte lese dann fühl ich mich richtig traurig...
Sie sind echt so ... emotional, berührend und wunderschön auf eine grausame Art...

» Anina | 12. Juli 2010 um 20:49

schön. wehmütig. traurig. gefühlsvoll.

bin per Zufall über deinen Blog gestolpert und begeistert!

» Jessa | 13. Juli 2010 um 13:08

Ja leider ... die gleiche Person zum zweiten Mal...
Aber ich komm mittlerweile wieder klar... was ich ja nie für möglich gehalten hätte...

Ich weiß nicht, das klingt sicher komisch und ich hasse solche Sätze... aber wird bei dir auch sicher besser werden ... irgendwann =(

» NiCOLe | 15. Juli 2010 um 04:37

Toller Text. Er macht traurig....
Hättest Du Lust auf´s gegenseitiges verfolgen? Hm? Liebe Grüsse, Nicole :)

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